Altersvorsorgedepot löst ab 2027 Riesterrente ab

Disclaimer: Die dargestellten Inhalte geben den aktuellen Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und dienen der Orientierung. Gesetzliche Regelungen und Produktdetails zum Altersvorsorgedepot können sich bis zum Start im Januar 2027 noch ändern.

Rund 25 % aller Riester-Verträge liegen still oder sind bereits gekündigt.

Das Modell hat für viele Menschen nicht funktioniert. Zu teuer, zu unflexibel, zu wenig Rendite.

Ab Januar 2027 kommt jetzt der Nachfolger: das Altersvorsorgedepot.

Und diesmal ist einiges anders.

In diesem Artikel erfährst du, was das Altersvorsorgedepot genau ist, wie die Förderung funktioniert und was mit bestehenden Riester-Verträgen passiert.

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein zertifiziertes, staatlich gefördertes Wertpapierdepot.

Im Kern geht es darum: Du investierst in ETFs oder Fonds und erhältst dafür staatliche Zulagen und Steuervorteile.

Erstmals sind auch Selbstständige förderberechtigt. Das war bei der Riester-Rente nicht der Fall.

Was nicht ins Depot darf: Einzelaktien, Kryptowährungen und Hebelprodukte sind ausgeschlossen.

Der große Unterschied zu Riester

Bei der Riester-Rente gab es eine Kapitalgarantie. Klingt erstmal gut. In der Praxis hat genau das aber dafür gesorgt, dass kaum Rendite übrig blieb. Die Anbieter waren gezwungen, extrem konservativ anzulegen, um die Garantie einhalten zu können.

Das Altersvorsorgedepot verzichtet bewusst auf diese Garantie.

Das bedeutet: höhere Renditechancen, aber auch mehr Eigenverantwortung.

Wer langfristig in breit gestreute ETFs investiert, hat historisch betrachtet gute Chancen auf eine solide Wertentwicklung. Eine Garantie dafür gibt es trotzdem nicht.

Die Förderung im Detail

Die Zulagenstruktur ähnelt der bisherigen Riester-Förderung, ist aber etwas anders aufgebaut.

Grundzulage:

Bei Einzahlungen bis 360 € im Jahr gibt es 50 Cent je eingezahltem Euro vom Staat dazu. Das entspricht einer Förderquote von 50 %.

Für Einzahlungen zwischen 361 € und 1.800 € im Jahr gibt es zusätzlich 25 Cent je Euro.

Die maximale Förderung liegt bei 540 € pro Jahr.

Kinderzulage:

Zusätzlich sind bis zu 300 € pro Kind und Jahr möglich, bereits ab einem Eigenbeitrag von 25 €.

Bonus für Geringverdiener und Berufseinsteiger:

Auch hier sind zusätzliche Prämien vorgesehen.

Die Mindesteinzahlung liegt bei 10 € pro Monat. Damit ist die Einstiegshürde bewusst niedrig gehalten.

Meine Kritik:

Bei der alten Riester-Rente reichten 60 € Eigenbeitrag im Jahr, um die volle Grundzulage von 175 € zu erhalten. Gerade für Geringverdiener und Personen ohne eigenes Einkommen war das Verhältnis extrem attraktiv.

Im neuen System ist die Zulage direkt an die Einzahlungshöhe gekoppelt. 60 € Einzahlung bringen jetzt nur noch 30 € Zulage. Gutverdiener, die 1.800 € im Jahr einzahlen, holen sich dagegen bis zu 540 €.

Die neue Förderung belohnt die, die ohnehin mehr einzahlen. Und benachteiligt genau die, die am meisten darauf angewiesen sind.

Steuern und Kosten

Das Altersvorsorgedepot funktioniert nach dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung.

In der Ansparphase bleiben sämtliche Kapitalerträge steuerfrei. Beiträge lassen sich als Sonderausgaben steuerlich geltend machen.

Erst bei der Auszahlung greift der persönliche Einkommensteuersatz.

Die Effektivkosten pro Jahr sind auf maximal 1 % der Sparbeiträge gedeckelt. Zum Vergleich: Viele klassische Riester-Produkte lagen bei 2 bis 3 % pro Jahr.

Auszahlungsoptionen

Bei der Auszahlung gibt es mehrere Varianten:

Auszahlplan: Monatliche Entnahmen bis zum 85. Lebensjahr.

Sofortige Leibrente: Eine lebenslange monatliche Zahlung ab Rentenbeginn.

Kombination: Auszahlplan bis 85, danach eine Leibrente.

Zusätzlich ist eine einmalige Teilauszahlung von bis zu 30 % des Guthabens möglich.

Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?

Alle bestehenden Riester-Verträge gelten unverändert weiter und werden wie bisher gefördert.

Wer möchte, hat die Möglichkeit, das Guthaben in ein neues Altersvorsorgedepot zu übertragen. Und zwar, ohne dass bisherige Zulagen zurückgezahlt werden.

Ob sich eine solche Übertragung lohnt, hängt aber komplett von deinem bestehenden Vertrag ab. Pauschale Empfehlungen sind hier fehl am Platz.

Meine Einordnung

Riester hat für viele nicht funktioniert. Die Zahlen sprechen für sich.

Das Altersvorsorgedepot macht einiges besser: niedrigere Kosten, flexiblere Anlage, keine Kapitalgarantie, die am Ende mehr gekostet als gebracht hat. Und erstmals sind Selbstständige mit dabei.

Gleichzeitig profitieren Geringverdiener im neuen System weniger als vorher.

Ob das Altersvorsorgedepot in deiner Situation die beste Option ist oder ob es bessere Alternativen gibt, lässt sich pauschal nicht sagen. Das hängt von deinem Einkommen, deiner bestehenden Vorsorge und deinen Zielen ab.

Und: Ganz genau lässt es sich ohnehin nicht vor Januar 2027 bewerten, wenn wir Finanzberater*innen die Angebote konkret rechnen können.

Klarheit statt Bauchgefühl

Du möchtest wissen, ob das Altersvorsorgedepot ab 2027 für dich sinnvoll ist, ob dein bestehender Riester-Vertrag übertragen werden sollte oder welche Alternativen es gibt?

Dann lass uns deine Situation gemeinsam anschauen.

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